Am 14. September wurden in NRW neue Stadträte, Oberbürgermeister*innen bzw. Landräte, Bezirksvertretungen und Integrationsräte gewählt – so auch in Bonn. Viele Menschen ab 16 Jahren waren zum ersten Mal dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.

Dazu kamen eingebürgerte und nicht eingebürgerte Bonnerinnen und Bonner mit Fluchtbiografie (letztere dürfen immerhin den Integrationsrat der Stadt wählen), die aus verschiedenen Gründen bislang nicht von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten.

Vielleicht weil sie das System nicht durchblicken oder nicht wissen, wen sie wählen sollen. Vielleicht weil sie in ihren Herkunftsländern schlechte Erfahrungen mit vermeintlich demokratischen Wahlen und Regierungen gemacht haben.

Diesem Unwissen und Misstrauen begegnete das Projekt Yallah, Demokratie! im Vorfeld der Wahlen mit niederschwelligen, teils mehrsprachigen Infoveranstaltungen und Workshops:

Ein ganz besonderer Workshop

Am 6. Juli fand ein ganz besonderer Workshop mit paralleler Kinderbetreuung für eingebürgerte Frauen statt. Wir haben uns angeschaut, was bzw. wer da am 14. September überhaupt zur Wahl steht und welche Aufgaben diese Personen und Räte haben. Es war auch sehr interessant herauszufinden, welche Entscheidungen auf kommunaler Ebene getroffen werden, wann die kommunale Verwaltung nur nach Weisung von Bund oder Land handelt und wo sie freie Handlungsspielräume hat oder zumindest selbst entscheiden kann, wie sie Pflichtaufgaben erledigt.

Nach dem erfolgreichen Konzept der Erstwahlprofis nutzten wir den ganztägigen Workshop zudem, um Freiwillige zu Wahlhelferinnen auszubilden und den Wahlvorgang ganz praktisch zu üben. So konnten wir dem Bonner Wahlamt, welches das Projekt mit Original Wahlkabinen und Musterstimmzetteln unterstützt, fünf neue ehrenamtliche Wahlhelferinnen mit deutscher Staatsangehörigkeit und eine Hilfsperson, die noch keinen deutschen Pass hat, melden.

Alle sechs Frauen haben am 14. September in ihren jeweiligen Wahlräumen nicht nur (größtenteils zum ersten Mal) ihre Stimme abgegeben, sondern als Beisitzerinnen auch für diverser besetzte Wahllokale gesorgt. Projektleiterin Nadja hat sie dort besucht:

Vor dem Wahltag waren außerdem wir mit Info-Ständen in der Bonner Altstadt und in Bad Godesberg, um Menschen mit Flucht- oder anderem Migrationshintergrund zum Wählen zu ermutigen. Auch darüber berichtete das WDR-Fernsehen (ab Min. 4:01) in einem Lokalzeit-Beitrag über Yallah, Demokratie!