Die Republik Fremdistan unseres Escape Room-Projekts UNbekanntes UNbehagen hat drei neue Ehrenbürger*innen: Lara, Benni und Stefan. Dass wir nur ihre Vornamen nennen, liegt einzig und allein daran, dass alles andere in Fremdistan eh nicht zählt. Alle drei sind Polizeibeamt*innen, ursprünglich BePos – das sind die von den Demos und Fußballspielen – aktuell mit verschiedenen Aufgaben innerhalb der Landespolizei Niedersachsen betraut. Außerdem sind sie in der Initiative „Polizeischutz für die Demokratie“ aktiv. Sie hatten – tatsächlich unabhängig voneinander – Wind von unserem Projekt bekommen und den Mut aufgebracht, es unbeeindruckt der behördentypischen anfänglichen Skepsis für ihre (angehenden) Kolleg*innen umzusetzen.
Teil 1/2
Acht unvergessliche Tage in der PA Oldenburg
Den Start machte Stefan. Als Lehrbeauftragter der Polizeiakademie des Landes Niedersachsen am Studienort Oldenburg ist er zusätzlich zur praktischen Ausbildung der Polizeikommissaranwärter*innen (PKAs – die Polizei liebt Akronyme!) auch für die Durchführung von bislang fakultativen Demokratie-Projekten verantwortlich. Da er eine Spielzeit des UNbekannten UNbehagens im laufenden Studienjahr schlecht allein organisieren kann, boten wir an, ausnahmsweise selbst mit einem 4-köpfigen Team und dem Set anzureisen, aufzubauen, die Spielleitung zu übernehmen und schließlich auch wieder abzubauen. Finanziert werden konnte das Ganze dank der Stiftung Mercator, die nicht nur uns das UNbekannte UNbehagen fördert, sondern auch die Initiative „Polizeischutz für die Demokratie“.
Stefan war ein wenig aufgeregt, wie seine Studierenden und Kolleg*innen auf das besondere Angebot reagieren würden, und auch wir haben uns im Vorfeld gefragt, wie uns die Polizei wohl aufnehmen würde. Spoiler: Die Aufregung war völlig unbegründet!


Die Fakten:
Aufgebaut war das Escape-Zelt in einem großen, ebenerdigen Seminarraum auf dem weitläufigen Gelände der Polizeiakademie. In der Woche vom 15.-19. Juni 2026 reisten dort insgesamt 20 Spielteams à 5-7 Personen nach Fremdistan ein. Pro Tag verbrachte eine sogenannte Studiengruppe zwei Stunden nicht im normalen Unterricht, sondern im Training mit uns. Die meisten Studiengruppen waren aus dem dritten und letzten Studienjahr, eine Gruppe aus dem ersten Studienjahr. Der Mittwoch war Dozent*innen und anderen Mitarbeitenden der Akademie vorbehalten. Auch die Studienortdirektorin hat sich der fremdischen Erfahrung ausgesetzt. Ebenfalls einreisen durfte eine 7-köpfige Spielgruppe aus Vertreter*innen von zwei lokalen Flüchtlingsinitiativen. Für sie wie für uns hatte bereits die „Einreise“ mit Sondergenehmigung auf das Polizeigelände etwas Befremdliches.
Hinein ins UNbekannte
Wir (Jana, Nadja, Abbas und Philipp) haben insgesamt acht Tage auf dem Polizeigelände gelebt und es nur hin und wieder für kleinere Einkäufe oder Spaziergänge verlassen. Es hat ein-zwei Tage gedauert, sich an die Gegenwart der über 1000 uniformierten PKAs auf dem Gelände zu gewöhnen, die uns stets mit einem freundlichen „Moin“ begegneten. Am Anfang war es trotzdem etwas unbehaglich, gemeinsam mit teils voll bewaffneten Polizist*innen an den Tischen der großen Kantine zu essen. Aber wie das so ist mit dem Fremden: Wenn man sich ihm aussetzt, sich mit ihm vertraut und dabei gute Erfahrungen macht, schwindet das Unbehagen. Vor allem die jungen, größtenteils erfreulich aufgeschlossenen Menschen haben es uns aber auch einfach gemacht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. So hatten auch wir die Chance, mit unbewussten Vorurteilen aufzuräumen.

Raus aus dem UNbehagen
Der beidseitige immersive Perspektivwechsel, den dieses Projekt ermöglicht, hat sich im Polizeikontext so inspirierend wie nirgends sonst erwiesen. Nach jedem Spiel, welches insbesondere die angehenden Staatsdiener*innen durchweg souverän, mit Spaß und großem Engagement meisterten, hatten wir fast eine Stunde Zeit, um uns über das Spiel und davon ausgehend über unsere jeweiligen Erfahrungen im echten Leben auszutauschen.
Philipp und Abbas berichteten über Erlebnisse mit der Polizei in ihren Heimatländern Ukraine und Irak. Ohne hier in Details gehen zu wollen: Ihre Geschichten hatten das Zeug, die angehenden deutschen Kolleg*innen zu schockieren. Und sie stehen beispielhaft für die tiefsitzenden Vorbehalte gegenüber Sicherheitskräften, die ein Großteil der Geflüchteten mit nach Deutschland bringen. Umgekehrt berichteten die PKAs aus dem dritten Studienjahr, die bereits das ein oder andere Praktikum hinter sich hatten, von ihren Einsätzen z.B. in Flüchtlingsunterkünften. Da sie dort im Normalfall nur hingerufen werden, wenn schon irgendetwas passiert oder eskaliert ist, und sie berufsbedingt vor allem mit kriminellen und/oder gewalttätigen Geflüchteten zu tun haben, tragen auch sie überwiegend schlechte Erfahrungen mit sich herum und in neue Situationen hinein. Eine weitere Gemeinsamkeit, die sehr deutlich wurde, war die beidseitige Verunsicherung ob der eingeschränkten sprachlichen Verständigungsmöglichkeiten. Es war wahnsinnig spannend und spürbar erleichternd, sich darüber so offen austauschen zu können!
„Das hat voll funktioniert! Weil man dadurch echt noch mal einen anderen Einblick bekommt, wie sich die Gegenüber fühlen.“
PKA der Polizeiakademie Niedersachsen in Oldenburg (3. Studienjahr)


Teil 2/2
Zu Gast in der ZPD Niedersachsen
Nach einer kurzen Stipvisite zuhause in Bonn, während derer das Escape Room-Set weiter nach Hannover transportiert und dort aufgebaut wurde, ging’s für Jana, Nadja und Philipp schon wieder los zum nächsten „Polizeieinsatz“. Von den Erlebnissen in und mit der Zentralen Polizeidirektion des Landes Niedersachsen berichten wir, wenn die dortige Spielzeit beendet ist…

